Was ist Battojutsu?
Shobukan Inyo-Ryu Battojutsu

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Shobukan Inyo-Ryu

Geschrieben von Stephan Andreas. Veröffentlicht in About Battojutsu

Katana ni Rei

Das Ryu in Shobukan Inyo-Ryu ist der japanische Begriff für "Stilrichtung" oder "Schule". Shobukan bedeutet "erstes Kriegshaus" und Inyo ist vergleichbar mit dem Konzept von Yin und Yang. Zusammengesetzt ist Shobukan Inyo-Ryu die Schule, der wir folgen und der Stil, den wir in unserem Training praktizieren. Trotz der japanischen Begriffe wurde die Schule in Deutschland gegründet und basiert auf traditionellen japanischen Wertvorstellungen ebenso wie auf klassischen und modernen westlichen Einflüssen. 

Gründung und Inhalte

Die Geschichte des Stils ist noch recht jung: Großmeister und Stilbegründer Shodai Soke Hans-Jürgen Eul aus Herne gründete den Stil in den 70er Jahren. Honbu-Dojo, also Hauptstützpunkt des Trainings, ist derzeit der Verein KSK Herne, wo Soke Hans-Jürgen Eul selber noch Training in den vielen Untersystemen anbietet.

Neben den Schwerpunkten Jujutsu Do sowie Shobukan Inyo-Ryu Ninjutsu sowie Bujitsu ist Battojutsu eine von vielen Systemen des Stils. Innerhalb der verschiedenen Kampfkünste und Meister von Shobukan Inyo-Ryu gibt es auch oft über Systemgrenzen hinweg einen regen Austausch. Es ist in unserer Schule durchaus üblich, als Schwertkämpfer unbewaffnete Seminare zu besuchen und ebenso begeistert dort zu lernen wie auf anderen Lehrgängen.

Wurzeln und Einflüsse

Schulen und Stilrichtungen im alten Japan waren oft sehr regional bezogen und wurden von einem Meister an einige Schüler weitergegeben. Eine "Ryu" bezog sich dadurch meist auf eine Familie oder eine Schule. Heutzutage ist das selbstverständlich anders und einige Stilrichtungen wie Shotokan Karate z.B. finden global Anklang und Schüler. Eine derartig weite Ausdehnung und Vergleichbarkeit gibt es bei Shobukan Inyo-Ryu (noch) nicht. Dennoch sind die Wurzeln unseres Stils ähnlich denen vieler anderer japanischer Kampfkünste: Respekt, Disziplin und Achtung sind essentielle Bestandteile des Trainings. Natürlich wird dies bei uns nicht einfach nur in theoretischen Prüfungen abgefragt, sondern bei jeder Trainingseinheit gelebt.

Ebenfalls aus dem japanischen stammt das Kyu-/Dan-System, in dem Schüler und Meister je nach dem Kenntnisstand eingeteilt werden. Eigentlich sollte es selbstverständlich sein und nicht extra erwähnt werden: Der Rang in diesem System ist unabhängig von Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit sowie religiösen oder sonstigen Anschauungen. Das Katana war früher ein Statussymbol für den japanischen Adel oder später für die Offiziere, und diese Tradition haben wir so nicht übernommen. Weder im Battojutsu, noch in anderen Künsten des Shobukan Inyo-Ryu, spielt etwas anderes als das "Können" oder das "Wollen" eine Rolle.

An der Stelle von überholter Geheimhaltung der Techniken, von familieninternen Strukturen und restriktiven Aufnahmebedingungen fühlen wir uns eher modernen Anschauungen und Einflüssen verbunden: Offener Umgang mit anderen Stilen und Systemen ist sehr wichtig. Darüber hinaus teilen wir viele Ansichten von Sportlern und versuchen unserem Leitbild und unseren Idealen ständig näher zu kommen.

Inyo - Nehmen und Geben

"Geben ist seeliger als Nehmen" ist ein Spruch, den sicher viele kennen. Im Boxen wird auch oft von "Nehmerqualitäten" gesprochen und auch "Inyo" spielt eher auf den übertragenen Sinn von Nehmen und Geben an. Gemeint ist hier sicher nicht das Geld, sondern ganz ganz andere Aspekte des Lebens... 

Nehmen und Geben - kann das Training sein. Als Schüler profitiert man von motivierten Trainern, aber irgendwann kommt die Zeit, in der man selber das weitergibt, was einem vorher angeboten wurde.

Nehmen und Geben - kann sich auf das Leben außerhalb des Dojo beziehen. Es sind die Kleinigkeiten, die einen aufmuntern oder motivieren: Außerhalb des Trainings von einem Lächeln oder einer Hand auf der Schulter aufgemuntert zu werden. Irgendwann kommt der Punkt, an dem andere das von uns brauchen und dann sollten wir das geben, wovon wir früher selbst einmal profitiert haben.

Nehmen und Geben - kann sich in einer Kampfkunst auch ganz einfach auf die Techniken und den Kampf beziehen: Was der andere mir entgegen bringt, verwende ich gegen ihn. Die Kraft des Gegners kann genutzt werden, um ihn zu Fall zu bringen. Aber vielleicht sehen auch einige Schüler die Ermahnung in diesen Worten: Nicht überreagieren und dem Gegner großen Schaden zufügen! Trotz allem ist der Gegner ein Teil von uns und wir sind für sein Leben verantwortlich, wenn wir ihm Schaden zufügen.